Über mich

Hallo mein Name ist Markus Igel.

Ich bin 31 Jahre alt, Rollstuhlfahrer und habe eine Tetraspastik. Seit dem 11. Februar 2013 lebe ich im so genannten Arbeitgebermodel und organisiere meinen Alltag, wie Pflege, Freizeitgestaltung, Arbeit mit persönlicher Assistenz. Vorher lebte ich über 15 Jahre in einem Heim der Stiftung Kreuznacher Diakonie.

Fangen wir mal vorne an: 1997 kam ich wegen familiären Schwierigkeiten vom schönen Saarland in eine der Weinhochburgen  Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz. Aufgrund meiner Körperbehinderung (Tetra-Spastik) war ich im alter von 9 Jahren drauf angewiesen, in eine vollstationäre Einrichtung der Behindertenhilfe der Stiftung Kreuznacher Diakonie, Bad Kreuznach zu ziehen.
Als Kind lernte ich in der Einrichtung einige wichtige Sachen, die es für eine gute altersgerechte Kindeserziehung braucht. Die Einrichtung hat mich bis zum Alter von 16 Jahren gut und Altersgerecht in meiner Lebensführung und der damals noch erforderlichen Pädagogik unterstützt.
Aber dann begann ich mit Unterstützung eines Mitarbeiters der vor der Tätigkeit in der Wohngruppe als Persönlicher Assistent im Arbeitgebermodell beschäftigt war, dass erste mal über ein selbstbestimmtes Leben außerhalb einer Einrichtung nachzudenken.
Mit Unterstützung dieses Mitarbeiters, bekam ich das erste mal Kontakt mit dem Assistenzberater des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZSL). Ich Erinnere mich noch gut daran, dass ich mich mit dem Assistenzberater getroffen habe, und eine meiner ersten Fragen, war ob ich mit persönlicher Assistenz auch in die Disco gehen könnte und Party machen könnte bis zum abwinken. Nun ja, nach diesem -für mich- erst einmal positiven Gespräch verging eine Zeit, in dem die Vorstellung eines Selbstbestimmten Lebens wieder in den Hintergrund rückte. In der Zwischenzeit gab es immer mehr Mitarbeiter in der Einrichtung, die zu mir sagten: „Irgendwann kannst du alleine in einer Wohnung leben!“

Jetzt machen wir mal einen Quantensprung: Zur Bundestagswahl 2009 begann ich mich das erste Mal ernsthaft politisch, d.h. Sozial- und Behindertenpolitisch zu interessieren und setzte mich mit den Verschiedenen Sozial- und Behindertenpolitischen Standpunkten der etablierten Parteien auseinander. ich stellte relativ schnell fest, das die Behinderten- und Sozialpolitische Positionierung, der Partei DIE LINKE, am besten zu meiner persönlichen Position und Thematik passte. Deshalb beschloss ich kurz vor dem Bundestagswahlkampf 2009, der Partei DIE LINKE beizutreten und war sodann als Parteimitglied, Kommunalpolitisch aktiv. So verging Jahr um Jahr und ich setzte mich immer mehr inhaltlich mit der Idee eines Selbstbestimmten Lebens und auch mit der Idee der Selbstbestimmt leben -Bewegung in Deutschland auseinander.
Im Jahr 2012 ging dann alles relativ fix. Ich entschloss mich, nun zu verselbständigen und den Schritt ins Arbeitgebermodell zu wagen. Ich nahm Kontakt mit der damals zuständigen Mitarbeiterin der Diakonie auf und erzählte, dass ich vorhabe aus der Diakonie auszuziehen und in eine eigene Wohnung zu ziehen. Sodann ging es los. Ich erstellte mithilfe meiner Ergotherapeutin einen Bedarfsplan, wie ich mir mein Tagesablauf in einer eigenen Wohnung vorstellte. Leider weiß ich jetzt nicht mehr alles genau aus dem Kopf, jedenfalls begannen wir Mitte bis Ende 2012 bei meinem Leistungsträger alle erforderlichen Anträge bzgl. der Persönlichen Assistenz und der Unterstützung durch die Grundsicherung zu stellen.
Mir und den zuständigen Leuten war relativ schnell klar, dass ich zur Durchführung des Arbeitgebermodells auf ein umfassendes sog. Case-Management angewiesen bin. Da ich aufgrund einer ausgeprägten Lernbehinderung und starker Lese-Rechtschreibschwäche, noch nicht in der Lage war und bin, alle erforderlichen Fähigkeiten, die es braucht um das Arbeitgebermodell komplett selbstständig durchzuführen, besitze und besessen habe. Nach einer ersten relativ schnellen Zusage meines Leistungsträgers, bezog ich am 11. Februar 2013 meine erste eigene Wohnung. Zuvor stellte ich mir natürlich mein aller erstes Assistenzteam, was zu der Zeit (glaube ich) aus 5 Assistenten bestand, zusammen.

Die ersten Tage in der eigenen Wohnung waren toll und etwas schwierig zugleich, da ich die neue Situation erst einmal Psychisch und Physisch verarbeiten musste, denn ich war ja von heute auf morgen Arbeitgeber in einem eigenen Haushalt. Aus diesem Grund war ich ziemlich belastet, dies äußerte sich in einer starken körperlichen Erkältung. Aber ich rappelte mich auf und verbrachte eine erste schöne Zeit in meiner Wohnung. In der Zeit von Montags bis Freitags, besuchte ich noch die Behindertenwerkstatt der Diakonie. Da ich aber immer mehr Schwierigkeiten mit dem System der Behindertenwerkstatt hatte, entschloss ich mich im Mai 2014 auch die Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu verlassen. In der Zwischenzeit gab es noch zahlreiche andere Umbrüche. Ich wechselte mein Case-Management und mein Leistungsträger begann, zum ersten Mal mein Budget soweit zu senken, das ich in finanzielle Notlage kam. Zusammen mit einem spezialisierten Rechtsanwalt aus Hamburg stellten wir zum ersten Mal ein Eilantrag bei dem Sozialgericht Mainz, dem glaube ich im November 2014 voll umfänglich stattgegeben wurde.

Aber nun erst einmal zu den schönen Dingen des selbstbestimmten Lebens:
Anfang 2015 lernte ich die Shisha Bar Alem in Bad Kreuznach kennen. Da Shisha rauchen eine Leidenschaft von mir seit dem Sommer 2005 ist, stellt dies einen Großteil meiner heutigen Freizeitgestaltung. In der Shisha Bar lernte ich viele neue Freunde kennen und es war mir zum ersten Mal möglich, die Nacht zum Tag und den Tag zur Nacht zu machen. Das heißt, die längste Zeit die ich in der Shisha Bar verbracht habe war bis 08:00 Uhr morgens. Natürlich kann man argumentieren, dass diese Lebensgestaltung, an der Gesellschaftsnorm gemessen, nicht als Normal einzustufen ist. Jedoch muss man bedenken, dass ich ein 15 Jahre langes Heimleben hinter mir habe und das so Sachen wie trinken, feiern bis in die Morgenstunden, was andere im Alter von 15 bis 18 machen mir in den Einrichtungen nicht möglich war. So beginne ich jetzt mein Leben ausszutesten und zu genießen.